Leder

ein vielschichtiges Faszinosum

Wir leben am Beginn eines künstlichen Zeitalters. Unsere Autos fahren teilweise schon heute wie von Zauberhand, die Manipulation des Klimas durch Geoengineering verliert ihren Science-Ficiton-Charakter und in deutschen Supermärkten ist die Plastikverpackung trauriger Standard. Die Erschaffung künstlicher Intelligenz, synthetische Biologie, kurzum das Bestreben mit Technik „Gott zu spielen“ ist zur Standarddisziplin der modernen Wissenschaft geworden. Die Chancen, Risiken und die moralischen Implikationen hiervon sollen an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Festzuhalten bleibt jedoch, dass sich viele Menschen nach einem Pendant zur Künstlichkeit sehnen. Gerade in unserem Alltag wird dem Einzelnen eine punktuelle Abkehr von synthetischen Stoffen immer wichtiger. Polyester, PET und dergleichen sind also scheinbar nicht die Antwort auf alle Fragen. Auf der Suche nach einem natürlichen, edlen und langlebigen Naturmaterial fällt der Fokus schnell auf das Leder.

Dieser faszinierende Rohstoff besitzt eine lange Tradition und veredelt eines der Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie. Durch die Behandlung mit Mineralgerbstoffen werden die rohen Tierhäute konserviert und so für die weitere Verwendung zubereitet. Doch Leder ist nicht gleich Leder. In Abhängigkeit vom Gerbprozess lassen sich viele Varianten des Materials unterscheiden, die im Kontext verschiedener Verwendungszwecke ihre reizvolle Wirkung entfalten.

Die verschiedenen Lederarten

Es gibt viele Varianten der Lederbearbeitung und entsprechend auch unzählige verschiedene Ledersorten, die sich teilweise nur noch in kleinen Nuancen unterscheiden. Die Lederkollektion unseres Partners COR umfasst beispielsweise 113 unterschiedliche Leder. Grundsätzlich lassen sich erst einmal alle Glattleder von den Rauledern abgrenzen. Letztere zeichnen sich nach dem gezielten Anschleifen der Oberfläche durch ihren samtigen Charakter aus und entwickeln bereits nach kurzem Gebrauch eine individuelle Patina. Rauledersorten wie Nubuk oder Velour haben eine warme Haptik und lassen sich mitunter anhand des sogenannte „Schreibeeffekts“ erkennen. Dieser kennzeichnet das Leder im wahrsten Wortsinne durch eine Spur in den Fasern, wenn man mit der Hand darüber streicht.

Hiervon unterschieden, ergibt sich für die Glattleder eine Dreigliederung, welche sich durch den Zurichtungsgrad des Materials charakterisiert. So unterteilt finden wir rund um den Kompromiss des Semianilinleders die beiden Pole pigmentiertes Leder und Anilinleder. Letzteres – auch Puro genannt – ist eine naturbelassene, anspruchsvolle Variante des Rohstoffs. Diese hochwertigste aller Lederarten wird nach dem Gerben lediglich durchgefärbt und ansonsten so belassen, wie sie die Natur „zugerichtet“ hat. Ein entsprechendes Narbenbild auf der Oberfläche wird so zum Zeugnis natürlicher Einflüsse. Bedingt durch diese Natürlichkeit gleicht sich Puro schnell der Körperwärme des Sitzenden an, was jahreszeitenübergreifend zu einer angenehmen Sitzflächentemperatur führt.

Das Pendant zum Anilinleder ist das pigmentierte Leder. Dieses wird auch als Dura bezeichnet und zeichnet sich durch eine intensive Zurichtung aus. Hierbei wird das Leder nach dem Gerbprozess mit einer deckenden Farbpigmentschicht überzogen. Unter dieser verschwinden Poren, das Narbenbild und weitere Naturmerkmale. Entsprechend wird es verwendet, wo optische Perfektion gefragt ist.

Als Zwischenvariante in vielfältigen Abstufungen liegt das Semianilin zwischen den beiden Extremen. Der Verarbeitungsgrad nach der Gerbung ist entsprechend etwas intensiver als bei einem Puro. Die aufgetragene Farbschicht ist jedoch viel dünner als bei einem Dura. Das Beste aus zwei Welten vereinend, ist diese Lederart noch atmungsaktiv und trägt ein teilweise sichtbares Narbenbild. Sie ist jedoch durch den Schutzfilm weniger lichtempfindlich und besser vor Verunreinigungen geschützt.

Qualitätsleder und seine Pflege

In Abhängigkeit von der Qualität ist Leder langlebig oder auch nicht. Für unsere Hersteller steht stets das Wohl der Tiere im Vordergrund. Dies ist einerseits moralische Verpflichtung, andererseits hat die Behandlung des Tieres einen immensen Einfluss auf die Beschaffenheit des Rohstoffs. Schlecht ausgemistete oder zu kleine Ställe und Gabelstiche sieht man selbst dem fertigen Produkt noch an. Die aus guter Behandlung und der ausschließlichen Verwendung bestimmter Hautabschnitte – die Hautpartien im Bauch- und Lendenbereich sind oftmals grobnarbig sowie faserig und werden entsprechend selten verwendet – resultierende Lederqualität erfordert jedoch auch eine angemessene Pflege. Je nach Lederart können die Pflegeanforderungen leicht variieren. Grundlegend sollten Sie jedoch auf die nachfolgenden Regeln achten:

– reinigen Sie Ihre Ledermöbel niemals mit Mikrofasertüchern. Diese können die Oberfläche zerstören. Verwenden Sie stattdessen weiche, fusselfreie Naturfasertücher.

– Flecken sollten Sie sofort nach dem Entstehen vorsichtig von außen nach innen abtupfen.

– Das Ledermöbel ist anschließend großflächig von Naht zu Naht zu säubern. Von einer partiellen Reinigung ist abzusehen.

– um Kalkränder zu verhindern, sollte stets destilliertes Wasser zur Säuberung verwendet werden.

– Verzichten Sie auf Pflege- und Reinigungsmittel, welche Lösungsmittel enthalten. Hierdurch wird ein Austrocknen verhindert.

– Alle weiteren Pflegemittel sollten mit einem Schwamm oder einem Tuch aufgetragen werden.

– bei farbintensivem Leder sollte Plegemittel mit Lichtschutzfaktor aufgetragen werden, um ein vorzeitiges Ausbleichen zu verhindern.

– Prüfen Sie vor dem Imprägnieren ob die Lederoberfläche des Möbels trocken ist.

Gut verarbeitete Ledermöbel sind etwas sehr edles und haben bei der richtigen Behandlung eine sehr lange Lebenszeit. Als Begleiter in allen Lebensphasen erhalten sie für viele den Status eines treuen Weggefährten durch verschiedene Lebensabschnitte. Eine solche Beständigkeit wird im Zuge der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen nach und nach zur absoluten Rarität. Entsprechend wünschen wir Ihnen, dass Ihre Freude an Ihren Ledermöbeln lange anhält und eventuell gar auf Ihre Kinder übergeht. Auf, dass diese besonderen Möbel kleine Anker im Sturm der Zeit sind. Leder ist, wird und bleibt…

Bei weiteren Fragen rund um dieses Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Ihr Team von Wohnen & Design.