Das Original

Eine moralische Verpflichtung

 

Befasst man sich mit dem Thema „Originalität“ kommt einem zu Beginn wohl erst einmal zwangsläufig der ein oder andere abgedroschene Kalenderspruch in den Sinn. Degradierte man Sinnsprüche à la „Originale sind nicht immer schöner, aber fast immer besser“ zu Plattitüden, täte man den Schöpfern derselben wohl unrecht. Feststeht jedoch auch, dass eine annähernd tiefgründige  Auseinandersetzung mit diesem Thema mehr sein muss, als das bloße wiederkäuen derartiger Aussprüche. Sind diese dann nicht nur inhaltlich fade sondern gar selbst keine Originale, ist der Widerspruch in sich perfekt. Deshalb sei nachfolgend der Versuch gewagt, zum Thema „das Original“ ein paar Worte zu verlieren, ohne ins klischeehafte abzudriften…

Ein Definitionsansatz

Betrachten wir genuine Originalität so zeichnet sich diese in erster Linie durch Authentizität und Schöpfergeist aus. Aufgrund der hohen Subjektivität, welcher besagte Begriffe unterliegen können, scheint es sinnvoll eine Bestimmung ex negativo zu suchen. Was ist ein Original also nicht? Wörter wie Abkupferung, Plagiat, Replikation, Epigonentum, Imitation, schlichtweg alles, was zur Bezeichnung von Dingen, welche vielleicht originalgetreu, jedoch nicht original sind, helfen uns durch eine klare Abgrenzung den Originalitätsbegriff besser zu fassen. Darüber hinaus sollte ein wirkliches Original jedoch auch immer mit Qualität aufwarten. So würde beispielsweise ein schwarzer Strich auf einem weißen Blatt wohl bestenfalls von einem Dadaisten als ein wirkliches Kunstwerk betrachtet, während hingegen die „weichen Uhren“ Dalís von jedem als absolutes Unikat anerkannt werden dürften. Diese Qualität sollte durchaus auch im Hinblick auf die Geschmacksdiversität der Betrachter Konsens bleiben. So lässt sich zwar über die malerische Ästhetik von Picassos „Guernica“ diskutieren, seine Qualität dürften jedoch – unabhängig von einer eventuellen Aversion gegenüber dem Kubismus – die wenigsten in Frage stellen. Zudem käme wohl auch niemand auf die Idee eine Kopie dieses Kunstwerks vom Flohmarktstand für den Archetypen zu halten. Entsprechend wäre auch kein Käufer bereit, einen entsprechenden Preis zu zahlen, selbst wenn besagte Replikation handwerklich solide angefertigt wurde.

Das Original in der Designerwelt

Weshalb also sollte ein solcher Konsens nicht auch für die Inneneinrichtung gelten? Kunstvolle Designs unterliegen einem hohen Maß an Schöpferkraft und grenzen sich hierdurch von ihren Kopien ab. Hinsichtlich der Bauart sind sich beispielsweise ein originaler Loungesessel von Vitra und dessen Imitationsversuche relativ ähnlich, in ihrer Wesensart sind sie jedoch grundverschieden. In ersterem lebt eine Idee fort, in letzterem finden wir gähnende Leere. Jedoch wohnt dem Original nicht nur ein kreativer Schaffensprozess inne, der einen immensen Arbeitsaufwand mit sich brachte, sondern steht es ebenfalls für eine lange Qualitätstradition. Somit ist es einerseits  die pragmatische  Entscheidung für Zeitlosigkeit und die damit einhergehende Langlebigkeit, welche sich im Erwerb eines solchen Möbels manifestiert. Andererseits ist es in unseren Augen aber auch eine moralische Verpflichtung  gegenüber dem Schöpfer und seinem geistigen Eigentum, welche eine maßgebliche Rolle spielt. Im Zeitalter von „billig – will ich“ und „Geiz ist geil“ muss jeder seinen individuellen Standpunkt beziehen. Freilich kostet das Schwimmen gegen den Strom mehr Energie und im vorliegenden Fall auch mehr Geld. Unabhängig davon, dass besagte Mehrausgaben als Investition anzusehen sind, ist die Identifikation mit dem Original aber auch ein Signal gegen geistlose Plagiate im Kontext des aktuellen Werteverfalls.

Der "Panton" - Ein echtes Original.

Originalität lässt sich weder kopieren noch kaufen. Sie muss gelebt und authentisch sein. Deshalb leben wir wohnen mit der Bestrebung stets individuell zu bleiben und bestücken unser Sortiment mit designten Originalen aus den Möbelwerkstätten der renommiertesten Hersteller. Denn „wo viel kopiert wird, wird wenig kapiert.“ (Andreas Tenzer – Dozent an der Universität Münster)

PS hoffentlich ist auch dieser Text ein echtes Original – trotz dem Schlusszitat aus der Aphorismensammlung. 😉