Bescheidenheit auf höchstem Niveau

die zeitlose Idee Fritz Hallers

Eine Kugel reicht! Einstiegsworte, die im ersten Moment deplatziert wirken, weil sie falsche Assoziationen wecken, entsprechend martialisch wirken und somit wie der Titel eines zweitklassigen Italowesterns aus den 1960ern klingen? Vielleicht. Vielleicht waren aber auch ebendiese Worte der Gedankenblitz, welcher Fritz Haller in den 1960er Jahren durch den Kopf schoss, als er nach einem innovativen Bindeelement für den Prototypen seines neuen Möbelsystems suchte. Die Kugelform des Verbindungsknotens von USM Haller repräsentiert die außergewöhnliche Entwicklungsgeschichte eines besonderen Möbels und ist so im Laufe der Jahrzehnte zum Symbol eines ikonischen Stauraumsystems avanciert. Der nachfolgende Beitrag soll Ihnen punktuelle Einblicke in die Entstehungsgeschichte eines Klassikers gewähren.

Die Geschichte hinter USM Haller

Untrennbar mit dem Möbelbausystem von USM verbunden ist der bereits erwähnte Fritz Haller. Der Erfinder und Namensgeber wurde im Jahre 1924 als Sohn des Architekten Bruno Haller in Solothurn (Schweiz) geboren. Nach einer abgeschlossenen Lehre zum Bauzeichner arbeitete Haller zunächst in verschiedenen Architekturbüros. Geprägt vom Nachkriegsfunktionalismus, mitunter vertreten durch den Niederländer Willem van Tijen, betrieb der junge Haller bis 1962 ein eigenes Architekturbüro. Im Kontrast zu den Vertretern des Bauhaus´ stand für Haller bei seinen zahlreichen Industriebauten stets die ökonomische Machbarkeit des jeweiligen Vorhabens im Vordergrund. Sein konsequentes Streben nach Systematisierung zeigte sich ebenfalls in seinen ersten Gehversuchen auf dem Terrain der Möbelkonzeption. Nach dem Vorbild der Systemarchitektur orientierte er sich an den Skelettkonstruktionen der 1920/30 er Jahre und meldete 1965 das Patent für sein Möbelbausystem an. Gemeinsam mit Paul Schärer entwickelte er so den Prototypen für das USM Möbelbausystem Haller, dessen Entstehungsgeschichte eine ordentliche Portion Zufall in sich trägt.

Auf der Suche nach einem flexiblen Möbel, welches bar jeder gestalterischen Hierarchie abteilungsübergreifend eingesetzt werden sollte und in Ermangelung eines passenden Angebots beauftragte Schärer den Architekten Haller mit der Entwicklung eines Stauraumkonzepts. Dieser hatte bereits die neue Produktionsstätte des Unternehmens geplant und experimentierte fortan mit Holzboxen und zusammensteckbaren Aktengestellen. Sukzessive entstand so die einheitliche Möblierung für den Bürokomplex von USM, welcher dem Prinzip des Materialflusses folgen sollten.

Als Sonderanfertigung für die Inneneinrichtung der Unternehmensverwaltung von USM konzipiert, fiel der Startschuss für die Serienproduktion des Stauraumsystems im Jahr 1969, als das Unternehmen mit der Einrichtung des Hauptsitzes der Rothschild Bank in Paris beauftragt wurde. Diese stellte die Verantwortlichen Anfangs zwar vor kalkulatorische Schwierigkeiten, im Laufe der Folgejahre wurde USM Haller jedoch zum zentralen Produkt des Unternehmens. Trotz der stetigen Weiterentwicklung des Systems durch Fritz Haller bzw. ab 1970 durch ein hierauf spezialisiertes Entwicklungsteam blieben die ursprünglichen Elemente als etablierte Konstanten stets erhalten. So besteht ein Möbel nach dem Hallerprinzip nach wie vor aus verchromten Stahlrohren, Verbdingungsknoten und pulverbeschichteten Tablaren. Das Prinzip der Formreduktion und Harmonie manifestiert sich in einer Optik der Linien und Flächen. Diese wird durch den Umstand, dass die Knoten/Kugeln nur unwesentlich größer sind als die Rohre gewährleistet und ist ein wesentliches Charaktermerkmal des Modulsystems. Dieser traditionsbewusste Purismus schließt jedoch keinesfalls Weiterentwicklungen aus. So präsentierte das Unternehmen jüngst mit der Produktneuheit USM Haller E eine der spannendsten Innovationen am Markt.

Traditionslinien

Aufgrund der Orientierung an natürlichen Maßvorgaben – die Länge des ausgestreckten menschlichen Armes dient beispielweise als Bezugspunkt – knüpft jede Ausformung des Möbelsystems stets an die Forderungen der Gestaltungsreformer der 1920er Jahre an. Der niederländische Architekt Mart Stam formulierte diese als „Kampf gegen die Repräsentation, gegen das Übermaß und für das Menschenmaß.“ Entsprechend stellt USM Haller eine mikroarchitektonische Umsetzung historischer Vorbilder dar und verbindet dezentes Auftreten mit edler Wirkung.

Eine weitere Verbindungslinie zu architektonischen Vorbildern besteht in den Anknüpfungspunkten zur Chicagoer Schule und zum mittelalterlichen Kathedralbau. Das Konstruktionsprinzip „membri e ossa“ („Haut und Knochen“) verwirklichend, repräsentiert jedes Hallermöbel einen Paradigmenwechsel, welcher als Inbegriff der Modernität zu verstehen ist. Neben der Affinität zum Seriellen wird hierbei die hohe Funktionalität in den Vordergrund gestellt. Letztere findet seinen Ausdruck mitunter in der Flexibilität des Systems, welche dem Kunden zum Mitschöpfer seines individuellen Möbels werden lässt. So kann der Designklassiker als Sideboard, Empfangstheke oder als ansprechendes Bücherregal fungieren und besticht hierbei stets durch seine unaufdringliche Eleganz.

Die Hallersche Idee ist und bleibt etwas Einzigartiges. Hiervon zeugt mitunter der Fakt, dass gar eine juristische Bescheinigung hinsichtlich des eigenen Kunstcharakters für das Möbelsystem vorliegt. Repräsentativ hierfür steht die Kugel von USM Haller. Eine Kugel, die Innovationsgeist, Pragmatismus und schlichte Ästhetik miteinander verbindet, als handle es sich hierbei um das Gestänge eines Hallersideboards. Eine Kugel, welche Zeitlosigkeit verkörpert und uns viel Freude bereitet. Eine wie keine; Denn eine Kugel reicht…

Auf den Geschmack gekommen? Im Rahmen einer Roadshow stellen wir in Kooperation mit USM ab Anfang Oktober spannende Einrichtungskonzepte in unserem Bamberger Showroom aus. Hier finden Sie neben den Klassikern auch Neuheiten aus dem Sortiment des Möbelherstellers. Also kommen Sie vorbei und erleben Sie die Welt Fritz Hallers hautnah. Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Team von Wohnen & Design